Buen viaje, Bert Max Silbermann – Gute Reise

Mit schwerem Herzen mussten wir am Samstag, den 28. Juli 2018, Abschied nehmen von unserem Zeitzeugen Bert Max Silbermann, der im Alter von 85 Jahren friedlich in seinem Zuhause, der Budge-Stiftung, von uns ging.

Bert Max Silbermann wurde am 04. September 1932 in Berlin geboren. Wir hatten die Ehre, ihn seit 2016 regelmäßig zu treffen, und konnten zwei ausführliche Zeitzeugeninterviews im Juni und im November 2017 mit ihm führen. Zunächst zögerlich, dann aber aus vollem Herzen, schenkte er uns sein Vertrauen. Wir sind dankbar, dass wir seine Lebensgeschichte zukünftig an Schüler*innen und in Ausstellungen weitergeben dürfen, um die Erinnerung an ihn und sein Leben wachzuhalten.

1938 flüchtete er als Sechsjähriger mit seinen Eltern aufgrund der politischen Situation aus dem nationalsozialistischen Deutschland, zunächst in die Niederlande. Nach einer mehrwöchigen Überfahrt per Frachtschiff erreichte er schließlich seine neue Heimat Uruguay. Er erzählte uns von seinen ersten Wochen mit lustigen Sprachbarrieren und von seiner schwierigen Jugend mit seiner Mutter, die Zeit ihres Lebens kein Spanisch lernen wollte und für die er der soziale Ankerpunkt und Übersetzer war. Aufgrund seiner Deutschkenntnisse arbeitete er von 1960 bis 1977 für die Lufthansa. 1981 hat er Uruguay aufgrund der angespannten politischen Lage – das Land war zu der Zeit eine Militärdiktatur – verlassen.

 

Auf die Frage, was Heimat für ihn sei, sagte er während des Interviews: »Ich bin zweimal von Diktaturen meiner Heimat beraubt worden.«

Seit knapp 10 Jahren lebte er in der Frankfurter Budge-Stiftung, die er gerne als sein Zuhause bezeichnete. Wir sind froh, dass er trotz vieler Krankheiten bis zuletzt ein selbstbestimmtes Leben führen konnte und klar, charmant und mit einem feinen Humor ausgestattet, ganz bescheiden und voller Demut von seinem Leben erzählen konnte. In den letzten Monaten litt Bert Max Silbermann zunehmend unter den Symptomen seiner Erkrankungen und sein größter Wunsch war es, nicht im Krankenhaus zu sterben. Einerseits sind wir unfassbar traurig, dass Herr Silbermann verstorben ist, andererseits bei all der Trauer dennoch dankbar, dass ihm sein Wunsch, zu Hause zu sterben, erfüllt wurde.

In tiefer Dankbarkeit, ihn kennengelernt zu haben – er wird in unseren Herzen weiterleben.

Manfred, Anja und Steven

»Ich bin der größte Optimist unter den Pessimisten.«

– Bert Max Silbermann 

Und mit direktem persönlichen Kontakt zu Zeitzeug*innen wird uns an dieser Stelle einmal mehr klar: Die verbliebenen Zeitzeug*innen können nicht mehr lange berichten.

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