Die Eingeborenen von Trizonesien

Ich bin gerade über eine spannende Geschichte gestoßen, die mich anscheinend schon einmal vor 15 Jahren beschäftigt hat, wie ich gerade in meinem alten Online Tagebuch gelesen habe, und eben neu entdeckt habe. Es gab 1948, also kurz nach dem Krieg, noch keine neue deutsche Nationalhymne. Und so wurde auf Sportveranstaltungen und ähnlichen Veranstaltungen ein im diesem Jahr verfasstes Karnevalslied als alternative Nationalhymne gespielt.

Das Lied stammt vom Kölner Liedermacher Kar Berbuer, der das Lied in einem Restaurant schrieb, als sich lautstark über die so genannte Trizone, des englischen, amerikanischen und französischen Besatzungsgebiets, unterhalten wurde. Es galt damals als Schritt hin zur wiederkehrenden Normalität nach dem Krieg und einem wiedererwachenden Selbstbewusstsein der Deutschen. Im Ausland wurde dieses Lied allerdings anfänglich kritisch gesehen. Anfang 1949 schrieb die Londoner „Times“:

»Die Deutschen werden wieder frech

Nach anfänglicher Skepsis und Diskussionen über aufkeimenden Revanchismus der Deutschen verstand aber auch das Ausland das Lied. So kam es vor einem Fußballspiel in einem englischen Kriegsgefangenenlager zwischen Deutschen und Engländern zu kurioser Szene: Nachdem für die englische Mannschaft „God saves the Queen“ angestimmt wurde, wurde für die deutsche Kriegsgefangenen-Mannschaft das „Trizonesien“-Lied angestimmt.

Damals wie heute bin ich zwiegespalten zu dem Liedtext, so ist es doch irgendwie relativierend zu dem wenige Jahre zuvor geschehenden Greueltaten der Deutschen im zweiten Weltkrieg. Andererseits verstehe ich auch, wie sich das deutsche Volk in einer besetzten Zone gefühlt haben und sich so ein bisschen Normalität herbei gesehnt haben. Ich finde auf jeden Fall, dass das eine interessante Geschichte ist. Was meint ihr? Schreibt mir gerne dazu in den Kommentaren!

Karl Berbuer

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien 

Mein lieber Freund, mein lieber Freund,
die alten Zeiten sind vorbei,
ob man da lacht, ob man da weint,
die Welt geht weiter, eins, zwei, drei.

Ein kleines Häuflein Diplomaten
macht heut die große Politik,
sie schaffen Zonen, ändern Staaten.
Und was ist hier mit uns im Augenblick?

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien,
Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!
Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien,
Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!
Wir sind zwar keine Menschenfresser,
doch wir küssen um so besser.
Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien,
Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!

Doch fremder Mann, damit du's weißt,
ein Trizonesier hat Humor,
er hat Kultur, er hat auch Geist,
darin macht keiner ihm was vor.

Selbst Goethe stammt aus Trizonesien,
Beethovens Wiege ist bekannt.
Nein, sowas gibt's nicht in Chinesien,
darum sind wir auch stolz auf unser Land.

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien [...]

     [Karl Berbuer: Trizonesien Song. Polydor 1948.]

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