Zehn Jahre Single

Und Schwuppdiwupp ist man zehn Jahre Single und hat ein riesengroßes, in Versalien geschriebenes „BEZIEHUNGSUNFÄHIG“ auf der Stirn stehen. Mit Neonfarben. Wie konnte es dazu kommen? Und noch wichtiger: Warum stört mich das Geschwätz von anderen Menschen diesbezüglich eigentlich so?

„Warum bist du eigentlich Single“?

„Warum bist du eigentlich Single“? höre ich oft. „Du bist doch ein guter Fang und nen Schnuckel. Warum hast du denn keinen Freund?“ wird dann oft hinter her geschoben. Das ist zwar gut gemeint und soll mich wohl aufbauen, aber es tut genau das Gegenteil. Was soll man darauf auch antworten? „Vielleicht ist es einfach meine Persönlichkeit, die abschreckt?“ hatte ich auch schon mal geantwortet. Die verdutzten Gesichter sind allerdings auch irgendwie amüsant. Aber ganz ehrlich: Warum stört mich diese Frage so? Weil ich sie vielleicht selbst nicht ganz beantworten kann? In den ersten Jahren nach meiner letzten Beziehung habe ich gar nicht darüber nachgedacht, dass ich Single bin und dass das irgendwie schlimm sein könnte. Eine Zeit lange habe ich mich dann wohl ausgelebt.

Irgendwann wollte ich dann wieder eine Beziehung und dann ist es ja, wie es dann immer kommen muss: Man findet natürlich keine Beziehung, weil das andere Singles riechen und „auf der Suche sein“ ein sehr unsexy Attribut ist.

Nach ein paar Fehlschlägen und weiteren regelmäßigen löchernden Fragen der Freunde und Familie wurde ich persönlich dann immer abgestumpfter, was dieses Thema anbelangt. Und jetzt seit ein paar Jahren habe ich mir irgendwie vor genommen nicht mehr aktiv nach einem neuen Partner zu suchen, sondern alles auf mich zukommen zu lassen. Und schwuppsdiwupps biste zehn Jahre Single.

Klingt echt krass. Klingt nach einer deprimierenden Geschichte. Leider fühle ich mich aber weder deprimiert, noch abgestumpft deshalb. Ist nicht so als hätte ich niemanden, mit dem ich Zärtlichkeiten und Intimität austausche, aber ich will mich weiterhin einfach nicht so stressen und wie ein aufgescheuchtes Hühnchen rumrennen, weil ich keine Henne abbekomme. Um mal in der Metapher zu bleiben.

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"Irgendwas ist ja immer" - Steven Hensel